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Aus dem Schneider
Roman,
Berlin Verlag, 2000
Dreieinhalb Stunden bevor sie, in einem Kofferraum versteckt,
in den Westen zu gelangen versucht, geht Judith noch einmal durch die
Räume des Hauses, in dem sie aufgewachsen ist. Ihre Mutter ist vor
vielen Jahren gestorben, ihr Vater blieb, so hatte man es verabredet,
nach einer Besuchsreise in Westberlin. Ruth, ihre Schwester, wurde vor
kurzem verhaftet. Allein in ihrem Elternhaus, das inzwischen vom Staat
konfisziert wurde, nimmt Judith Abschied von den einzelnen Zimmern und
Gegenständen, die ihren Alltag prägten. Dabei muß sie
unweigerlich an die Geschichten denken, die sich mit ihnen verbinden.
In einer raffinierten Doppelkonstruktion entfaltet der Roman parallel
zu Judiths Leben, und sich allmählich mit ihm verknüpfend, die
Chronik dieses Ortes in Ostberlin. Aus zwei entgegengesetzten Richtungen
wird die Familiengeschichte eingeholt und gespiegelt in den politischen
Ereignissen eines halben Jahrhunderts, in den Verhältnissen unter
zwei Diktaturen. Wenn beide Erzählstränge schließlich
zusammenlaufen, umfaßt Katrin Askans Roman "Aus dem Schneider"
den Zeitraum von 1936 bis 1986. Hilding, Judiths Großvater, hatte
einst die Wahl zwischen zwei Grundstücken, eines im Westen und eines
im Osten Berlins. Durch Zufall entscheidet er sich für letzteres.
Ein Zufall, der zum Schicksal wird für die Menschen, die schließlich
in dem von ihm gebauten Haus leben.
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